Forschung  

und die Sinne

Ernstzunehmende Designforschung findet in Deutschland nicht statt, weil es an den dafür notwenigen Strukturen fehlt. Designforschung übersteigt die Möglichkeiten normaler Diplomstudiengänge. Masterstudiengänge entstehen zwar allerorten; die hier zu Lande gängige Fünfjahresvariante ist jedoch eine Mogelpackung! Eine Umdeklarierung des Diploms in einen Masterabschluss hilft überhaupt nicht weiter und bewirkt nichts als die Ablehnung durch Industrie und die außereuropäischen Bildungseinrichtungen.

Erforderlich ist die Hinwendung zu einem zweijährigen Aufbaustudium mit wissenschaftlicher Komponente, für das sich Kandidaten auch mit unterschiedlicher akademischer Fachqualifikation nach dem Diplom und ggf. einiger beruflicher Praxis bewerben können. Derartige Einrichtungen existieren leider nur im Ausland; zu nennen ist insbesondere das MIT (z.B. MIT Media Lab).

Zur Illustration hier einige von Tausenden unbeantworteter Themen, die in einem geigneten Design-Masterstudiengang zu bearbeiten wären:

• Akustische Gestaltung: Wie muss ein Stellelement an einem Gerät (z.B. Drehknopf, Taste) klingen, damit der Klang das visuelle Erscheinungsbild optimal ergänzt? Was ist der akustische Ausdruck von Leistungsfähigkeit, Kompetenz, Zuverlässigkeit, Haltbarkeit etc.?

• Haptische Gestaltung: Wie muss die Kraft-Weg-Kurve eines Drehknopfes beschaffen sein, damit das Erlebnis als maximal befriedigend empfunden wird?

• Mit welchen Maßnahmen kann Design das Entstehen einer mentalen Karte in Informationssystemen befördern?

Auf diesen und vielen anderen hoch aktuellen Feldern tummeln sich etliche Disziplinen, die meisten mit größerer Fachkompetenz und Anerkennung als das Design. Zum Glück fehlt den meisten - noch - die Gestaltungskompetenz. Eine Überlebensfrage für uns Designer ist die: Werden sich andere Disziplinen eher die notwendige Gestaltungskompetenz aneignen, oder werden wir Designer endlich die längst überfälligen Strukturen schaffen, innerhalb derer Design-Grundlagenforschung möglich wird?

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